Eine Bleiverglasung als Sinnbild für die Kraft der Gemeinschaft

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Die Gottesackerkirche nimmt in den Herzen vieler Greizer einen besonderen Platz ein. Das Anfang des letzten Jahrhunderts im schlichten Jugendstil errichtete Gotteshaus, ist eine Hommage des Glaubens aber auch der Greizer Handwerkskunst. Und doch nagt auch hier der Zahn der Zeit unübersehbar an dem nunmehr 113 Jahre alten Gebäude. Doch besonders schmerzvoll wird dieser Prozess des Verfalls, wenn Vandalismus, Zerstörungswut oder Diebstahl hinzukommen. Ausgesprochen augenfällig war dies an einer originalen Bleiverglasung im Eingangsbereich der Kirche. Das Fenster zeigte ursprünglich ein Bild der alten Friedhofskapelle und sollte die Erinnerung an den Vorgängerbau wachhalten. Leider ist das Original 1992 mutwillig zerstört worden. Stück für Stück haben sich Unbekannte weiter an dem Fenster bedient, bis es – siehe Foto – kurz vor dem Totalverlust stand. 

Maßgeblich initiiert und begleitet durch die Damen Christina Klinner und Katja Lux stand im August 2025 die Gottesackerkirche und deren Erhalt im Mittelpunkt einer Veranstaltung über den Jugendstil in Greiz. Die hohe Besucherresonanz zeigte, was die Kraft der Gemeinschaft bewirken kann und wie groß der Wunsch nach christlicher Gemeinschaft innerhalb der Greizer Stadtgesellschaft ist. So konnte mit den an diesem Abend erworbenen Spendengeldern in einem ersten Schritt die Notreparatur des Fensters und der Bleiverglasung finanziert werden. Dem handwerklichen Können der Herren Ulrich Meißner (Glasermeister) und Reinhard Limmer (Betriebshandwerker für alle Bereiche der Kirchgemeinde) ist es zu verdanken, dass das Fenster in seiner Pracht erhalten werden konnte, obgleich der Wehrmutstropfen des vollständigen Verlusts der Glasmalerei bleibt.

Seit September dieses Jahres erstrahlt das Fenster nun wieder am alten Ort, erinnert uns aber gleichzeitig daran, wie zerbrechlich unser kulturelles Erbe ist. Die Gottesackerkirche ist nur eines von vielen sakralen Gebäuden im gesamten Landkreis, die nicht nur als Gotteshäuser sondern auch als bau-kulturelles Gedächtnis in Ostthüringen bedroht sind. Der Erhalt dieser Orte der Begegnung ist eine Aufgabe, mit der die jeweiligen Kirchgemeinden nicht allein gelassen werden dürfen. Hier ist auch viel privates Engagement gefragt. Darauf gilt es das Augenmerk zu richten, damit auch künftige Generationen Glaube, Spiritualität und Schönheit der Gotteshäuser genießen können.

Dr. Fabian Brunner