Die Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in Greiz

Unsere Orgel hat eine wechselvolle Geschichte. Ihr Vorgängerbau aus dem Ende der 1730er Jahre war eine der größten und schönsten Orgeln, die der berühmte Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683-1753) fertigstellte. Doch der große Stadtbrand im Jahre 1802 zerstörte die gesamte Stadtkirche zusammen mit dem bedeutenden Instrument. Nach dem Wiederaufbau der Kirche stellte eine kleine Orgel der Orgelbauerfamilie Trampeli, welche zuvor im Oberen Schloss stand, eine Übergangslösung dar. Letztendlich wurde der aus Borna stammende Orgelbauer Richard Kreutzbach (1839-1903) beauftragt, eine dreimanualige Orgel mit 40 Registern in der Greizer Stadtkirche zu errichten. Im Jahr 1881 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden.

1919 ergänzte die Dresdner Firma "Jehmlich Orgelbau", in Zusammenarbeit mit dem Greizer Kantor Richard Jung (ein Freund Max Regers), das Instrument auf insgesamt 63 Register, stellte die mechanische Traktur auf Pneumatik um und nahm bis ins Jahr 1945 weitere Umbauten vor. Im Jahre 1980 schließlich baute die Firma Schüßler aus Greiz die elektropneumatische Traktur sowie einen neuen Spieltisch ein.
Die Orgel der Greizer Stadtkirche ist eine der drei größten Orgeln in Thüringen. 2022 wird Sie umfassend restauriert.

 

Äußeres Erscheinungsbild

aus "Angebot zur Restaurierung der Kreutzbach-Jehmlich-Orgel" von der Firma "Freiburger Orgelbau"

Der prachtvolle Orgelprospekt von 1881 ist äußerst geschmackvoll nach Art des Neoklassizismus dem Kircheninterieur angepasst und ergänzt das Gesamtbild zu einem gelungenen architektonischen Ensemble. Der an sich flachen Front sind doppelstöckig angeordnete, kannelierte Säulen korinthischen Stils mit aufsitzendem Gebälk vorgelagert, welche den Prospekt vertikal in sechs Achsen untergliedern und ihm eine interessante Plastizität verleihen. Die mittleren vier Felder werden von einem gemeinsamen Gebälkfries horizontal geteilt und besitzen als Abschluss einen niedrigen Dreiecksgiebel, der die kompakt-rechteckige Gehäusesilhouette nach oben auflockernd durchbricht und dadurch direkt auf die Altargestaltung Bezug nimmt. Ein Trompete spielender Engel bekrönt den seinerseits mit Schnitzwerk verzierten Giebeltympanon. Die Feldöffnungen sind vollständig mit Pfeifen gefüllt und schließen teils gerade, teils mit Rundbögen ab. Die Farbfassung in mattem Perlmuttweiß und akzentuierende Vergoldungen der Ornamentik sind auf die Kircheneinrichtung harmonisch abgestimmt.

In den letzten 40 Jahren wurden keine nennenswerten Veränderungen an der Greizer Kreutzbach-Jehmlich-Orgel vorgenommen. Stattdessen machten sich zunehmend Alters- und Verschleißerscheinungen bemerkbar, welche durch kleinere Reparaturen nicht gelöst werden konnten. Eine größere Restaurierung ist deswegen zwingend erforderlich. Mehr Infos dazu finden Sie hier!

Ausstattung

Die Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Greizer Stadtkirche ist mit 63 Registern und 3782 Pfeifen die größte Orgel Ostthüringens. Die höchste Pfeife misst 9,76 m, die kleinste  Pfeife ca. 3 cm. Der Spieltisch umfasst neben dem Pedal die drei Manuale für Hauptwerk, Oberwerk und Schwellwerk; außerdem gibt es eine Crescendo-Walze. Von den 40 Registern, die Kreutzbach eingebaut hatte, wurden 7 Register von Jehmlich überarbeitet und 23 weitere neu hinzugefügt. 
Die Orgel beinhaltet zwei Windladensysteme zur Verteilung der Luft vom Gebläse auf die jeweiligen Pfeifen. Die Manuale arbeiten mit Kegelladen, wodurch die Tasten leicht spielbar bleiben; das Pedal steht auf Schleifladen, die einen vergleichsweise einfachen Aufbau haben und unempfindlicher gegenüber Klimaveränderungen sind.
Für die tiefsten Töne sorgen die Holzpfeifen des Untersatz 32'. Er steht mittig an der Rückwand des Instruments, umgeben von anderen Pfeifen des Pedals. In der ersten Etage befinden sich die Pfeifen des Haupt- und Oberwerks, darüber befindet sich schließlich das Schwellwerk. Die Pfeifen des Prospekts gehören zum Prinzipal 8' und Prinzipal 16' des Hauptwerks. 
Neben dem Trompete spielenden Engel auf dem Giebel wird die Orgel mit der Aufschrift "Soli Deo Gloria" (lat. für "Gott allein die Ehre") auf dem mittleren Gebälkfries sowie der römischen Zahl ihres Baujahrs 1881 unter dem Dreiecksgiebel verziert.